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Portrait Leonard Bernstein

29. April 2012     |    Kommentare geschlossen

Mit geschlossenen Augen, völlig in sich versunken. So dirigierte Leonard Bernstein gerne. „Er fühlte die Musik fast mehr, als dass er sie hörte“, dieses Zitat beschreibt sehr gut, wer Leonard Bernstein war: Ein Dirigent, Komponist, Musiklehrer und Künstler des 20.Jahrhunderts, der die Musik nicht nur liebte, sondern der sie auch lebte. „Es kommt darauf an, was ihr empfindet, wenn ihr Musik hört“, erklärte Bernstein einmal. „Wir brauchen nicht alles über Halbtöne, Ganztöne und Akkorde zu wissen, um Musik zu verstehen. Wenn sie uns etwas sagt – nicht etwas erzählt oder ein Bild beschreibt, sondern ein Gefühl erweckt – wenn sie eine Veränderung in uns bewirkt, dann verstehen wir Musik.“
Der Musiker mit jüdisch-ukrainischen Wurzeln war der erste US-amerikanische Dirigent, der weltweiten Beifall auslöste. Als Musikdirektor der New York Philharmonie dirigierte er zwischen 1958 und 1969 weltberühmte Orchester. Aber auch mit eigenen Werken wie dem Musical „West Side Story“ oder der Oper „Candide“ erlangte er weitreichende Anerkennung. Darüber hinaus war er der erste Dirigent, der mit „Young People’s Concerts“ im Fernsehen Lesungen zu klassischer Musik vor allem für Kinder präsentierte. Die New York Times beschrieb Bernstein als „einen der talentiertesten und erfolgreichsten Musiker in der amerikanischen Geschichte.“
Wer aber war Bernstein wirklich? In der Biographie „The Gift of Music“ wird er als ein „Mann mit einem musikalischen Genie und außerordentlichen Charisma“ beschrieben, der „sein ganzes Leben damit verbracht hat, seine Leidenschaft für Musik mit den Menschen zu teilen.“ Diese Einschätzung erscheint richtig, wenn man Bernsteins Antwort auf die Frage nach der Rolle des Dirigenten kennt: „Der Dirigent muss sein Orchester nicht nur zum Spielen bringen“, behauptete der Künstler, sondern „er muss den Musikanten auch noch den Wunsch und das Bedürfnis zum Spielen einflößen. Wenn das eintritt – wenn hundert Menschen genau zur gleichen Zeit seine Gefühle teilen, erst dann
entsteht eine Gemeinschaft des Fühlens. Unter allen menschlichen Beziehungen, die ich kenne, ist es
diese, die der Liebe am nächsten kommt.“
Auch als Lehrer wollte er vor allem Leidenschaft vermitteln: „Ein großer Lehrer ist einer, der aus
seinen Schülern Funken herausschlagen kann, Funken, an denen ihr Enthusiasmus für Musik – oder
was immer sie studieren – schließlich Feuer fängt.“ Für Bernstein stand also nicht das Wissen im
Vordergrund. Wichtiger war es für ihn, die Menschen zu berühren, sie für etwas zu begeistern und
ihre Liebe zur Musik zu wecken.
Was aber machte die Musik für ihn zu etwas so Besonderem? Musik schaffe es, das Unbestimmbare
zu bestimmen und das Unkommunizierbare zu kommunizieren. Mit diesen Worten bringt es
Bernstein selbst auf den Punkt. Wenn man einander mit Musik berühre, berühre einer des anderen
Herz, Verstand und Seele – alles auf einmal.
Sonja Baldus


 
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