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Steve Reich

29. April 2012     |    Kommentare geschlossen

Der Punkt ist, dass ich ein ‘Minimalist’ bin – egal was ich mache. Wenn ich etwas machen würde, dass Mahler aufs Haar gleicht, würden sie sagen ‚Ah! der Minimalist macht das, also ist das die neue Art des Minimalismus!‘“

Obwohl sich Steve Reich stets gegen diese Etikettierung wehrte, ist sein Name untrennbar mit dem Begriff Minimal Music verbunden. Mit seinen Kollegen La Monte Young, Terry Riley, und Philip Glass prägte er in den 1960er und 1970er Jahren einen neuen Musikstil, der als Minimalismus bezeichnet wurde. Dies bezieht sich grob auf eine Reduktion des musikalischen Materials, die aber jeweils sehr unterschiedlich umgesetzt wurde.

1936 in New York geboren, entwickelte Steve Reich früh eine Faszination für Schlagwerk, war in der Jazzszene aktiv und studierte Komposition an der Juilliard School. Tonale Musik wurde zu der Zeit in der Komponistenszene weder diskutiert noch ernst genommen. Weil er den Puls der Zeit kennenlernen wollte, wechselte Reich 1961 nach San Francisco und studierte bei Luciano Berio serielle Kompositionstechniken. Reich konnte sich damit jedoch nicht identifizieren: „Wenn Musik so klingen muss, fahre ich lieber Taxi!“ Seine Vorbilder fand er eher in Komponisten wie Strawinsky und Bach, aber auch im Jazz, in afrikanischen Rhythmen und der indonesischen Gamelanmusik. Er hielt einen Puls oder Grundrhythmus und ein klares tonales Zentrum für die elementaren Bestandteile von Musik, die das Interesse aller Menschen wecken können.

Durch den Einfluss von Terry Riley begann Reich Experimente mit Tonbandschleifen und Phasenverschiebung: gleichzeitig ablaufende Tonbänder, die sich allmählich gegeneinander verschieben. Nicht die Wiederholung sondern die minimale Variation wurde zu seinem Prinzip. „Wiederholung ist nicht Struktur. Das interessiert mich nicht. Eine Wiederholung, die sich innerhalb einer musikalischen Struktur allmählich ändert, kann freilich, hoffe ich, eine Musik herstellen, die man gern hört.“ Zurück in New York gründete er in den 60er Jahren ein eigenes Ensemble und wendete sich wieder mehr der Instrumentalmusik zu. Werke wie Drumming, Music for Eighteen Musicians oder Clapping Music, die mit sich gegeneinander verschiebenden Rhythmuspattern spielen, erreichten große Popularität.

Die Minimal Music setzte sich nicht nur von der Tradition, sondern auch von der Avantgarde ab und stieß bei Kritik und Wissenschaft auf Ablehnung und Polemik. Besonders der kommerzielle Erfolg dieser Musik erregte Skepsis. Rückblickend gelten Reichs Arbeiten als Vorläufer der Loop- und Samplingtechnik, die zur Grundlage auch für Techno, Hiphop und große Teile der Alltagsmusik wurde.

Lorina Mattern


 
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