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John Cage in Köln – Ausstellung im Philharmonie-Foyer

8. Mai 2012     |    Kommentare geschlossen

John Cage ging mit großen Schritten durch sein Leben, immer auf der Suche nach Innovation. Köln war wiederholt eine wichtige Station für ihn. Welche Spuren hat er hier hinterlassen? Die Ausstellung „‚Musik hat damit zu tun, dass man sich ändert‘ – John Cage in Köln“ im Foyer der Kölner Philharmonie geht dieser Frage nach und ist im Rahmenprogramm des diesjährigen „Acht Brücken-Festivals“ zu sehen. Die Ausstellung lädt zum Flanieren ein, ob als Einstimmung vor einem bevorstehenden Cage-Konzert oder als kleine Abwechslung in der Konzertpause. Besucher finden hier Fotos, Skizzen, Partituren, Bücher und Zitate vor.
Was verbindet John Cage mit Köln? Schon 1954 hielt sich Cage erstmals in Köln auf, vier Jahre später folgte hier sogar die Uraufführung seines Klavierkonzertes. Teile der Partitur dieses Konzertes hängen gerahmt an der Wand. Noten, die aussehen wie Tintenkleckse oder tanzende Notenköpfe hinterlassen den Eindruck von gemalten Skizzen, wirren Notenanordnungen und Grafiken. Mit der Frage, wie ein solches Werk klingen könnte, bleibt der Besucher zurück.
Die Ausstellung möchte eine Hommage an John Cage und an Köln sein. Aber warum wird Köln dann nicht zu Zeiten Cages dargestellt? Die ausgestellten Fotos, die sich mit den Darstellungen der Partitur abwechseln, zeigen das aktuelle Köln, unter anderem die in den letzten Jahren errichteten Kranhäuser im Rheinauhafen. Offen bleibt, was diese Gebäude konkret mit John Cage und seiner Zeit in dieser Stadt zu tun haben.
In den Vitrinen sind Dokumente und Bilder der Menschen zu sehen, die Cage inspirierten und mit denen er in Köln verkehrte. Dazu gehören vor allem die Künstlerin Mary Bauermeister und der Medienkünstler Nam June Paik, die im Köln der 1960er Jahre die Fluxus-Bewegung prägten. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Zitaten und Büchern von und über Cage zu sehen. Natürlich dürfen hier das chinesische Orakelbuch „I Ging“ und John Cages zentrale Schrift „Silence“ – in verschiedenen Ausgaben – nicht fehlen. Am interessantesten ist jedoch die wilde Anordnung diverser Zitate Cages, die selbst an eine Komposition erinnert und optisch anregend wirkt. Ebenfalls aufschlussreich ist die Partitur zu seinem Stück „4’33“. Es besteht aus drei Sätzen ohne Noten, die sich jeweils auf die Spielanweisung „Tacet“ beschränken. So leer wie die Seiten in Cages Partitur sind, so leer bleibt der Besucher zurück. Man hätte eine detaillierte und chronologische Beschreibung der Stationen John Cages in Köln erwartet. Die Ausstellung zeigt einzelne Fußabdrücke Cages, lässt jedoch eine Betrachtung seiner hinterlassenen Spur vermissen.
Anja Kruppa


 
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