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Neue Musik in den USA

8. Mai 2012     |    Kommentare geschlossen

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existierte in den USA keine eigenständige klassische Musik. Bei den Opern oder Konzerten, die damals aufgeführt wurden, handelte es sich um europäische Importe. In den USA dominierten zu jener Zeit diverse folkloristische Stile, aus denen sich später der für die USA so typische Jazz entwickelte.
Doch wie kam es zur Neuen Musik in den USA? Nach dem ersten Weltkrieg begann eine Umorientierung im amerikanischen Musikleben. Vorbild für die Entwicklung einer eigenständigen Musik war die französische, nicht die bisweilen wichtigere Referenz der deutschen Musik. Dies mag damit zusammenhängen, dass es eine ganze Komponisten-Generation zum Studium nach Paris zog, zur einflussreichen Komponistin Nadia Boulanger. Aaron Copland und Philip Glass waren zwei ihrer bekanntesten Schüler.
Auf diese Weise wanderten zentraler zeitgenössischer Ideen von Europa nach Amerika. Innovative Darstellungsformen prägten die Neue Musik in den USA: graphische Notation, Improvisation und Zufall, dazu neue Aufführungsarten wie das Happening. Viele Komponisten beriefen sich auf Charles Ives, der als Vater der modernen amerikanischen Musik gilt. In seinen Collagen verarbeitet er folkloristisches Material als Ausdrucksmedium US-amerikanischer Geschichte und Lebensart. Der Schönberg-Schüler John Cage experimentierte mit elektronischer Musik und Naturklängen. Seine Auseinandersetzung mit dem Zufall und seine neue Kompositions-Ästhetik „Indeterminacy“ (Unbestimmtheit) kontrastieren mit dem seriellen Musikverständnis der europäischen Komponisten, die sämtliche Eigenschaften der Musik auf Zahlen- oder Proportionsreihen aufzubauen versuchten. Als weiterer Gegenpol zur seriellen Musik etablierte sich die Minimal Music – ein Kompositionsverfahren, das auf der variativen Wiederholung kurzer und einfacher musikalischer Struktur- und Formteile beruht. Die Hauptvertreter waren Steve Reich, Terry Riley, Phillip Glass und La Monte Young.
Man muss anerkennen, dass sich die USA mit ihrer Neuen Musik Europa zumindest ebenbürtig zeigte. Schon Mitte des 20. Jahrhunderts wurde deutlich, dass die Musikgeschichte von Amerika aus mitgeschrieben würde. So bemerkte 1947 Aaron Copland: „Die künftige Geschichte der europäischen Musik ist von nun an mit der Musik in Amerika aufs engste verbunden. Dies macht es mehr denn je zur Pflicht, alles zu hüten und zu bewahren, was Amerika der zeitgenössischen Musik zu bieten hat.“
Anja Krupa


 
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