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Alles kann, nichts muss – Organisierte Freiheit zum Auftakt der ACHT BRÜCKEN am 29. April 2012

10. Mai 2012     |    Kommentare geschlossen

„Kölle Alaaf“: Die Verschmelzung des Kölner Karnevalsgrußes mit dem Hauptmotiv aus
Beethovens 5. Sinfonie wirkte programmatisch für das gestrige Konzert auf dem
Roncalliplatz. An diesem waren alle Ensembles des Collegium musicum der Kölner
Universität – vier Chöre, Sinfonie-, Kammerorchester und Big Band – beteiligt, die ein
selbsterarbeitetes, EurOratorios betiteltes Werk sowie eine Version von John Cages
Variations I (1958) aufführten. Darin wird eine offene Form primär mittels einer grafischen
Notation erreicht. Daneben gibt es zusätzliche Erläuterungen zur Besetzung: „Für eine
beliebige Zahl von Instrumenten und Interpreten.“ Cages Anweisung wurde unter der
künstlerischen Leitung von Michael Ostrzyga nicht nur hinsichtlich der Anzahl, sondern auch
des Instrumentariums wörtlich genommen. So kamen ebenfalls Garten- und Küchengeräte
zum Einsatz.
Im Zusammenspiel musikalischer Schnipsel aus klassisch-romantischen Kompositionen,
Jazz, Filmmusik und Volksliedern schufen die Mitglieder des Collegium musicum ein
akustisches Kaleidoskop. Die Zuhörer lauschten gebannt. Aufmerksam verfolgte das von den
Interpreten umkreiste Publikum die Übergänge zwischen den Stücken und den Ensembles.
Frei nach dem Motto ,anything goes‘ wurden sowohl Zeit- als auch Genregrenzen
aufgehoben: Eine Unterhaltung zwischen Mozart, Haydn und Verdi wurde plötzlich von
Darth Vader unterbrochen. Während die Beatles mit Benny Goodman im musikalischen
Wohnzimmer saßen, klopfte Bach an. Sogar der Decke Pitter schaltete sich alle fünfzehn
Minuten kommentierend ein.
Die Idee von organisierter Freiheit wurde gestern Nachmittag von allen Beteiligten mit
großem Engagement, Konzentration und Spielfreude umgesetzt. Wie die Violinistin Wiebke
Spieker erklärte, waren die einzelnen Musikausschnitte gut einstudiert worden, um während
der Aufführung ein Höchstmaß an Spontaneität zu gewährleisten. Dafür sorgte Ostrzyga, der
– mit den anderen Dirigenten über Mikrophon und Kopfhörer verbunden – den Ablauf
koordinierte. Das letzte Wort hatte allerdings Hundegebell, das aus der Ferne erklang. So frei
organisiert darf das Festival ACHT BRÜCKEN. MUSIK FÜR KÖLN 2012 gerne sein.
Gerardo Scheige


 

Alles kann, nichts muss – Organisierte Freiheit zum Auftakt der ACHT BRÜCKEN am 29. April 2012

10. Mai 2012     |    Kommentare geschlossen

„Kölle Alaaf“: Die Verschmelzung des Kölner Karnevalsgrußes mit dem Hauptmotiv aus
Beethovens 5. Sinfonie wirkte programmatisch für das gestrige Konzert auf dem
Roncalliplatz. An diesem waren alle Ensembles des Collegium musicum der Kölner
Universität – vier Chöre, Sinfonie-, Kammerorchester und Big Band – beteiligt, die ein
selbsterarbeitetes, EurOratorios betiteltes Werk sowie eine Version von John Cages
Variations I (1958) aufführten. Darin wird eine offene Form primär mittels einer grafischen
Notation erreicht. Daneben gibt es zusätzliche Erläuterungen zur Besetzung: „Für eine
beliebige Zahl von Instrumenten und Interpreten.“ Cages Anweisung wurde unter der
künstlerischen Leitung von Michael Ostrzyga nicht nur hinsichtlich der Anzahl, sondern auch
des Instrumentariums wörtlich genommen. So kamen ebenfalls Garten- und Küchengeräte
zum Einsatz.
Im Zusammenspiel musikalischer Schnipsel aus klassisch-romantischen Kompositionen,
Jazz, Filmmusik und Volksliedern schufen die Mitglieder des Collegium musicum ein
akustisches Kaleidoskop. Die Zuhörer lauschten gebannt. Aufmerksam verfolgte das von den
Interpreten umkreiste Publikum die Übergänge zwischen den Stücken und den Ensembles.
Frei nach dem Motto ,anything goes‘ wurden sowohl Zeit- als auch Genregrenzen
aufgehoben: Eine Unterhaltung zwischen Mozart, Haydn und Verdi wurde plötzlich von
Darth Vader unterbrochen. Während die Beatles mit Benny Goodman im musikalischen
Wohnzimmer saßen, klopfte Bach an. Sogar der Decke Pitter schaltete sich alle fünfzehn
Minuten kommentierend ein.
Die Idee von organisierter Freiheit wurde gestern Nachmittag von allen Beteiligten mit
großem Engagement, Konzentration und Spielfreude umgesetzt. Wie die Violinistin Wiebke
Spieker erklärte, waren die einzelnen Musikausschnitte gut einstudiert worden, um während
der Aufführung ein Höchstmaß an Spontaneität zu gewährleisten. Dafür sorgte Ostrzyga, der
– mit den anderen Dirigenten über Mikrophon und Kopfhörer verbunden – den Ablauf
koordinierte. Das letzte Wort hatte allerdings Hundegebell, das aus der Ferne erklang. So frei
organisiert darf das Festival ACHT BRÜCKEN. MUSIK FÜR KÖLN 2012 gerne sein.
Gerardo Scheige


 
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