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Archiv für April 2013

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29. April 2013   |   Kommentare geschlossen

Und ab. Der Auftakt ist gegeben, das Kolophonium verleiht den Bogenhaaren Grip, wenn man die Augen zukneift sieht man, dass es ein wenig staubt im Gegenlicht der Scheinwerfer, wenn der harte Ansatz der Streicher hinter dem Steg ein Knarzen hervorruft, als öffneten sich die Pforten zur Hölle. Und jetzt. Und jetzt. Akku leer. Patrone alle. Spitze abgebrochen. Kuli verloren. Kein Fetzen Papier. Also dann: alles auf Aufnahme. Record-Mode. Nullignoranz, Totalwahrnehmung, Garnichtsvergessen.

Oder: Geschrieben, gestern Nacht, bis heute früh. Viel zu früh, viel zu spät eben, aber mit dem Rücken zur Wand. („… geht’s leicht von der Hand!“) Und jetzt. Und jetzt. Akku leer. Ohr voll. Lidschwere. Bleihirn. Schlaf gut.

Ein Komponist hat mir mal gesagt: Man schläft nur bei guter Musik. Weil sie die tieferen Schichten in Dir erreicht. Weil sie dich entspannt. Muss gut gewesen sein, ergo. Schnell aufschreiben.

Unvermeidlich: Begeisterung, Abscheu, Langeweile, Genuss. Kein Lexikon, das dazwischen steht, kein Buch. Nur der Festivalleiter, ein Teller Nüsse, ein Bier zuviel und auf einmal das Gespräch. Unausgesprochen die Frage: Wie war es? Unausweichlich: das Kompliment. (Alles andere wäre viel zu kompliziert.) Das Begreifliche, das Allzubegreifliche – Hand, Stimme, Körper, Mensch – des Werks, des Schöpfers schiebt sich zwischen Alleserinnern, Genuss, Abscheu, Schlaf.

Theorie als Rettung. Theorie als Hoffnung. Theorie. Aus Verzweiflung.

Die Nacht. Der Text. Das Auge. Das Auge des Komponisten, in das man geblickt hat. In das man wieder blicken muss. Vielleicht. Wenn er es schafft. Wenn Du es schaffst. Wenn es geschieht, vielleicht, oder wahrscheinlich, eher wahrscheinlich, wenn Du auf der Spur bleibst, die Chancen sind gut. Warum eigentlich? Warum eigentlich nicht?

Das Schöpferauge an der Hotelbar. Die Tastatur im Nachtzug. Das bedruckte Papier. Das html-Geflimmer. Das Urteil aus dem Abteil. Über die Uraufführung des Auftrags. Wer komponiert, wer regiert? Was kann man noch komponieren? Was reflektieren? Wie? 

Worte schmieden. Zeilen schinden. Texte knechten.

Unterscheiden. Unterstützen. Unterhalten.

Das sind noch nicht Acht Brücken. Aber immerhin drei. Und wir lernen uns ja erst noch kennen.

PH