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Der Komponist als DJ

2. Mai 2013     |    Kommentare geschlossen

Beim Kölner Festival ACHT BRÜCKEN wird das Requiem für einen jungen Dichter des Kölner Komponisten Bernd Alois Zimmermann aufgeführt. Ein Werk, das dazu einlädt, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.

Wie passt der Beatles-Song „Hey Jude“ zu einem klassischen Orchester? Was hat eine politische Rede von Adolf Hitler mit Musik zu tun? Und was hat ein Gebet des Papstes mit Jazzmusik gemeinsam? Bei Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter von 1969 handelt es sich nicht um „reine“ Musik, wie sie aus den klassischen Requien von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms oder Giuseppe Verdi bekannt ist. Chorstimmen vermischen sich mit Samples aus Lautsprechern und gesprochene Texte mit dröhnendem Orchesterklang. Musikalische Fragmente und Zitate aus entlegenen Kontexten klebte Zimmermann zu drastischen Collagen. Was aber passiert, wenn man Bruchstücke zusammenfügt, die eigentlich nicht für einander bestimmt sind? Genau darin liegt das Spannende für den Zuhörer.

Zimmermann selbst nannte diese Vorgehensweise „pluralistisches Komponieren“, weil verschiedene Elemente, Perspektiven und Zeitstränge zugleich ablaufen: Als gäbe es einen mächtigen DJ, der unterschiedliche Platten auflegt, sie miteinander mixt und an seinem Mischpult die Überlagerungen steuern kann. Texte von berühmten Dichtern, aber auch politische Reden von großen Staatsmännern, Ansprachen des Papstes, Romanfragmente und kulturphilosophische Schriften hat Zimmermann zu einer Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte verknüpft.

Sonntag, den 05. Mai 2013

Einführung 18:30 Uhr – Konzert 20:00 Uhr
Kölner Philharmonie
mehr Infos unter:
http://www.achtbruecken.de/programm/109220/

 

Wer noch mehr über das Werk wissen möchte, ist herzlich eingeladen zu der Einführungsveranstaltung um 18:30 Uhr im Foyer. Hier werden noch viele andere Besonderheiten erklärt und einige Schülergruppen, die sich in den letzten Wochen in einem Projekt mit diesem Werk beschäftigt haben, stellen ihre Ergebnisse vor – diese Ideen werden sicherlich genauso vielseitig sein wie die Ideen von Zimmermann, die anschließend im Konzert zu entdecken sind.

Julian Kämper


 
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