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Meine Neunte Brücke . Britta Quecke

30. April 2014     |    Kommentare geschlossen

Beim Betreten des zum raum13 gehörenden, warm ausgeleuchteten Fabrikraums wird man von einer stehenden Klangwelt umschlossen. Eine Geige, ein Flügel, fünf Bläser: alles Altsaxophone. Dicht, flimmernd, manchmal oszilliert ein Instrument zwischen zwei Tönen, oft sticht der Flügel durch eine andere Klangfarbe aus der Fläche heraus. Die nächsten Stücke sind dynamischer, wirrer, weniger atmosphärisch. Der Flügel wirft Akkorde in den Raum, denen die „Fo(u)r Altos“, im Kontrast zum bisher gehörten, ohne zu zögern folgen. Irgendwann deutet das Ensemble eine Steigerung an. Geht es jetzt los? Tut es nicht, das Konzert ist zu Ende. Was hätte Ligeti gesagt? Er wollte die perfekte Enttäuschung komponieren, Erwartungen nicht erfüllen. Stehen bleiben und weitergehen.

Auf der Suche nach mehr Musik stößt man im Innenhof auf den Gesang von drei sich auf Schaukeln bewegenden Frauen, der nach kurzer Zeit von einem Motorengeräusch überdeckt wird. Der Kontrast zwischen Mensch und Maschine scheint eindeutig, das Bild wird jedoch umgedreht: Ein Mann kurbelt den Motor an und erzeugt sogar für kurze Zeit einen Beat. Plötzlich fährt eine BMW Isetta vorbei, die Masse bewegt sich, man wird in einen mit 50er Jahre Einrichtung ausgestatteten Raum geleitet – als Teil einer Führung, eines Theaterstücks, einer anderen Zeit. Die Geschichte der KHD wird im Projekt Schönheit der Vergänglichkeit erzählt, gelebt. Oben geht das Ganze in eine Installation über. Die Räume schwingen zwischen Nachkriegs-Büroinventar, postmodernen Lichtgebilden und elektronischen Klängen hin und her. Es wird ohrenbetäubend und die Lärmmauern führen die Gruppe letztlich wieder hinaus in die sichere Gegenwart.

Britta Quecke

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