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Sturm und Vakuum

9. Mai 2014     |    Kommentare geschlossen

Elektrisch aufgeladene Winde ziehen mit dem Konzert von Kreidler durch die Philharmonie. Drums, Synthesizer, Gitarre und Laptop bilden ein kühles Wolkengebilde, das, sich langsam verändernd, Song für Song hinüberzieht. Eine Windows- Fehlermeldung als Blitz im hypnotischen Loop-Strudel?  Der assoziationsgefütterte Kopf schreckt auf. Dazu hätte es das schüchterne Stroboskop an der Bühnendecke gar nicht gebraucht.
Es bleibt dunkel, als die Umrisse der Mitglieder von Bohren & der Club of Gore in den Lichtkegeln auf der Bühne erscheinen. Während die Musik von Kreidler ein einziges elektronisch-grollendes Weiterrollen war, wiegen sich die Musiker hier in der Langsamkeit. Das Warten auf den nächsten Schlag saugt die Luft im Saal weg. Ein Vakuum und eine Zerreißprobe – würde der narkotische Puls nicht den Blick schärfen:
Wie unter einem Mikroskop wirkt jeder Klang vergrößert. Jazzbesensurren und tiefe Synthesizerchöre geben Halt im endlosen Raum, während Kontrabass und Vibraphon den Weg in den nächsten Takt mit Farbtupfern erhellen. Vorbei an einem Saxophonsolo, das sich, vom Rauch verhallt, in die Tiefen dieses in Zeitlupe lebenden Jazzclubs bohrt. Beim Hinaustreten wirkt die Welt zu schnell.

Britta Quecke


 
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