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Was noch gesagt werden muss

11. Mai 2014     |    Kommentare geschlossen

Man kann das als historischen Moment erleben: Das SWR-Sinfonieorchester aus Stuttgart, das bald mit den Kollegen aus Baden-Baden und Freiburg zwangsvereinigt werden soll, spielt zwei Stücke, die mit der glorreichen Geschichte der Neuen Musik im Südwesten eng verbunden sind, uraufgeführt in Donaueschingen.

Dementsprechend empört sind auch die Appelle an die Verantwortlichen, die Vielfalt an Orchestern, zu erhalten, eine der größten Errungenschaften, um die Deutschland in der Welt beneidet wird.. Das SWR Sinfonieorchester steht vor dem Aus. Ist es Zufall, dass gerade dieses Orchester den Abschluss des ACHT BRÜCKEN Festivals bildet? Wohl kaum. Und das Orchester beweist an diesem Abend, dass es erhalten bleiben muss.

Unter der Leitung des Chefdirigenten François-Xavier Roth beginnt man mit Pierre Boulez’…explosante-fixe…. Es ist eine Hommage an Igor Strawinsky, der im Jahr 1971, als Boulez die erste Version des Stücks komponiert, starb. Die individuell zu gestaltende Grundreihe der drei Soloflöten legen sich ineinander und verschieben sich, wie bei einer Fuge von Strawinsky. Die Live-Performance spiegelt sich in einer komplexen Elektronik, akribisch realisiert durch die Spezialisten des Experimentalstudio des SWR.

Völlig ohne Elektronik kommt das Orchester allerdings dann in der zweiten Hälfe des Konzerts aus. Die Musiker ließen Debussys dreiteilige Images und Ligetis Lontano und Atmosphères ineinander übergehen, um die Spannung der Musik nicht zu zerstören. Und eigentlich wäre das auch eine gute Idee gewesen. Doch man hatte die Rechnung ohne das Publikum gemacht und die jeweiligen Anfangstakte gingen in kollektiven Hustenanfällen fast unter.

Während man bei den lauten Stellen in Debussys Gigues noch das Gefühl hat, die Musiker seien noch nicht vollends konzentriert, steigert sich die Spannung in Ligetis Lontano umso mehr. Im Allgemeinen zeigt das Orchester seine Stärke vor allem in den leisen Stellen der Werke, bis die Musiker dann mit Debussys Ibéria einen mitreißenden Höhepunkt und Abschluss schaffen.

David Renke


 
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