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Archiv für Mai 2014

Tonsalabum – Die ver-rückte Spieluhr

9. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Was zieht man auf und es erklingt eine liebliche Melodie? – richtig, eine Spieluhr. Fühlt man sich in diesem Zusammenhang an antiquierte Kinderstuben erinnert, hat sie schon fast Symbolcharakter: Automaten-Technik in ihren Kinderschuhen. Bei der Kinderaufführung „Tonsalabum – Die ver-rückte Spieluhr“ sind es statt Zahnrädern und altem Blech, echte Musiker die sich wie Puppen auf der Spieluhr drehen und die Musik machen. Maria Busch und Anna Dammers waren vor Ort um sich das genauer anzuschauen.

Beitrag von Maria Busch und Anna Dammers

Die ver-rückte Spieluhr □ Reportage

 

Meine Neunte Brücke – Ich und meine Maschine

8. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Interaktiv möchte das ACHTBRÜCKEN FESTIVAL sein. An Klanginstallationen in der ganzen Stadt können findige Möchtegern-Komponisten ihr Talent zum Musiker
testen. Auch Erwin Staches Klangfahrräder bieten dem interessierten Festivalbesucher die Möglichkeit, selbst Kunst zu produzieren. Wer aber einen Schritt weiter gehen möchte, der kann im Festivalzelt Teil von Jens Düppes Live-Session werden. ACHTBRÜCKEN-Reporter Pablo Lawall wagte den Versuch:

Nervös sitze ich im Publikum, der Synthesizer ist noch im Rucksack verstaut. Bevor die eigentliche Session losgeht, zeigt die Jazz-Formation um den Kölner Schlagzeuger Jens Düppe, was sie kann. Grob notiert, aber ungeprobt wird Düppes Komposition uraufgeführt. In dem Stück mit dem Arbeitstitel Im Puls greift der gebürtige Schwabe das Motto des Festivals „Mensch und Maschine“ auf. Das gespielte wird in Echtzeit gesampled und elektronisch verfremdet. Die elektronische Verfremdung wirkt durchaus stimmiger als in so mancher Komposition der vergangenen Festival-Woche.

Das Niveau der Musiker ist hoch, der Applaus lauter als vorher in der Philharmonie. Und da soll ich später mitspielen? Schwer vorstellbar.
Die Jamsession beginnt und bereits nach einem Kölsch fasse ich mir ein Herz und gehe auf die Bühne. Ich stecke meinen Synthesizer ein und warte, was passiert. Gespannt klammere ich mich an meine Maschine. Noten oder Realbook gibt es nicht. Hören und reagieren ist die Devise. Die Posaune spielt ein Solo, die Tonart ist schnell gefunden. B-Moll.
Anfangs versuche ich nicht negativ aufzufallen und meinem Synth ein paar interessante Klänge zu entlocken. Es klappt.
Kommunikation durch Blickkontakt und Zunicken lässt die Musik lebendig werden. Die Drummer Bodek Janke und Jens Düppe bestimmen, was dynamisch passiert, die restlichen Musiker steigen immer wieder darauf ein. Dimitar Bodurov verlässt das E-Piano und ich nehme seinen Platz ein.
Die Laune steigt,  im Publikum und bei den Musikern. Ich kann noch ein kleines Solo unterbringen, dann ist die Jamsession auch schon vorbei.

Pablo Lawall

Meine Maschine und ich

Eine Reportage: Meine Maschine und ich

iPhones übernehmen die Macht

8. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Es ist ein einziges Krachen, als Nathan Davis, Schlagzeuger des International Contemporary Ensemble, auf gleich zwei große Trommeln einschlägt: John Zorns The Tempest beginnt. Falls man sich gefragt haben sollte, warum die große Trommel so selten als Soloinstrument genutzt wird, hat man heute Abend die Antwort bekommen: Sie ist einfach viel zu laut. Und so wird Zorns Trio „The Tempest“, also der Sturm, eher ein Hurrikan, in dem das Schlagwerk die Flöte und Klarinette erdrückt.

Das amerikanische International Contemporary Ensemble macht es sich seit seiner Gründung im Jahr 2001 zur Aufgabe, neue Kompositionen meist junger Komponisten aufzuführen und vergibt auch selbst Kompositionsaufträge. Zusammen mit dem Ensemble Garage und dem Dirigenten Duncan Ward machten sie auf ihrer Europatournee Halt in Köln, um dem „ACHT BRÜCKEN“ Publikum einen Blick in die New Yorker Neue Musik – Szene zu ermöglichen. Das Interesse allerdings ließ zu wünschen übrig und das ICE spielte leider vor einer fast leeren Philharmonie.

Mit Over as here schaffen die Musiker einen komplett anderen Klang als mit Zorns The Tempest. Die Geiger erinnern an ein knarzendes Schiff, während der Percussionist diesmal nicht auf sein Instrument einschlägt, sondern mit seiner Hand sanft darüberstreicht.

Im Laufe des Konzerts zeigen die Amerikaner, dass man gerade die Möglichkeiten der neuen Technik nutzen kann, um ein Werk noch individueller gestalten zu können. In dem 1977 komponierten Stück Shadowgraph von George Lewis, dessen Notenschift in Kästchen konzipiert ist, nehmen zwei Musiker die Klavierklänge auf und lassen sie zum Ende der Komposition abspielen. Das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Synthesizerklänge eher an einen schlechten Science-Fiction-Film der achtziger Jahre erinnern und sich nicht recht in das Ensemble einfügen.

Fast klassisch hingegen wirkt die Klavierkomposition Ghostlight vom anfangs bereits erwähnten Nathan Davis. Das Instrument wird vorher präpariert, sodass der Tastatur verschiedene Klänge entlockt werden können, die mal metallischen Hammerschlägen ähneln, mal knatternden Sägegeräuschen.

Das ICE verlangt an diesem Abend viel von seinem Publikum, und doch wollen sie diesem eigentlich nur, wie die Flötistin Claire Chase im Konzert erklärt, die New Yorker Musikszene näher bringen.

 

David Renke

Die machen da Musik mit Strom.

8. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Am 3. Mai war das Berliner »ensemble mosaik« bei ACHT BRÜCKEN zu Gast. In der Köln-Deutzer Spielstätte »The New Yorker | Dock.one« spielten die Musiker ein Programm mit Kompositionen, die alle in den letzten 5 Jahren entstanden sind und sich durch den uferlosen Einsatz von Elektronik auszeichnen.

ensemble mosaik [] Konzertbericht

Beitrag von Leonie Reineke

Foto

Meine Neunte Brücke – Ein Gottesdienst ohne Pfarrer?

7. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Fast andächtig starrte das Publikum auf das Kruzifix im vorderen Teil der Kunst-Station Sankt Peter. Sonst gab es nicht viel zu sehen. Der Tonkünstler Robert Henke saß an seinem Laptop inmitten der Zuschauer und steuerte die Klangereignisse. Aus allen Ecken des Raumes tönte das Klangflächenstück. Im Kontext der gottesdienstähnlichen Veranstaltung erinnerte der Sound an eine mächtige Kirchenorgel. Regen – oder zumindest dessen Synthese – mischte sich unter den Klang. Dann nur noch Regen. Das Geräusch veränderte sich minimal und man konnte das Gefühl bekommen, mitten in einer Billardhalle zu stehen. Den Blick weiterhin auf den leidenden Erlöser gerichtet, schlichen sich wieder leise Harmonien ins Klangbild. Eine meditative, wenn nicht sogar spirituelle Erfahrung.

Pablo Lawall

Meine Neunte Brücke – Ein Gottesdienst ohne Pfarrer?

7. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Fast andächtig starrte das Publikum auf das Kruzifix im vorderen Teil der Kunst-Station Sankt Peter. Sonst gab es nicht viel zu sehen. Der Tonkünstler Robert Henke saß an seinem Laptop inmitten der Zuschauer und steuerte die Klangereignisse. Aus allen Ecken des Raumes tönte das Klangflächenstück. Im Kontext der gottesdienstähnlichen Veranstaltung erinnerte der Sound an eine mächtige Kirchenorgel. Regen – oder zumindest dessen Synthese – mischte sich unter den Klang. Dann nur noch Regen. Das Geräusch veränderte sich minimal und man konnte das Gefühl bekommen, mitten in einer Billardhalle zu stehen. Den Blick weiterhin auf den leidenden Erlöser gerichtet, schlichen sich wieder leise Harmonien ins Klangbild. Eine meditative, wenn nicht sogar spirituelle Erfahrung.

Pablo Lawall

Retro-Euphorie im Rheingartenfoyer

7. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Tonbänder, Audiokassetten, Analogkameras und Bildröhren-Fernseher. Die Komponisten Remmy Canedo und Tobias Hartmann holen mit ihrer Kunstinstallation „Analog Audiovisuelle Art Fabrik“ die schon fast vergessene Analogtechnik wieder ins Bewusstsein. Der Festivalbesucher muss allerdings dabei mithelfen: Er setzt sich auf ein Fahrrad und tritt kräftig in die Pedale. Über gewöhnliche Dynamos erzeugt er Strom, der in eine eigenartige Konstruktion geleitet wird: Ein Fließband, bestehend aus etlichen nebeneinander geklebten Kassettenbändern, wird in Bewegung versetzt. Dann muss nur noch jemand anders mit einem Tonkopf über das Band fahren und voilà: Außerirdische Quietsch-Geräusche schallen durch den Raum. Wenn man dann noch die richtige Geschwindigkeit beim Strampeln auf dem Fahrrad trifft, kann man sogar Musik- oder Sprachfetzen vernehmen. Die meiste Zeit klingt das Ganze allerdings eher nach einer Mischung aus Turntable-Scratching, einer Alien-Invasion und nassen Händen auf einer Fensterscheibe. Wenn dann auch noch ein übersteuertes Fernsehbild auf der Leinwand im Hintergrund erscheint, ist der Retro-Trash-Effekt vollkommen. Ob die beiden Künstler, die übrigens mit ihren Projekt den ersten Preis des Internationalen Lanxess-Kompositionswettbewerbs gewonnen haben, hiermit einen wertvollen Beitrag zur sogenannten Ernsten Musik leisten oder einfach für Publikumsbespaßung sorgen wollen, ist letztendlich vielleicht gar nicht so wichtig.

Die Installation kann noch bis Sonntag, den 11. Mai, täglich von 14.00 bis 18.00 Uhr besucht werden!
Zugang über Heinrich-Böll-Platz, Weltjugendtagsweg (hinter dem weißen Festivalzelt).

Leonie Reineke

Bildschirmfoto 2014-05-07 um 17.36.41

Acht Brücken in der Fußgängerzone

7. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Sie sind laut, sie fallen auf und verwandeln die Stadt in eine große Bühne. Im Auftrag des ACHT BRÜCKEN Festivals hat der Künstler Erwin Stache sogenannte Klangfahrräder gebastelt. Sie sollen die Klänge aus den Spielstätten in die Stadt tragen. In einem Selbstversuch habe ich die „Instrumente“ getestet:

Auf Tour mit einem Klangfahrrad

David Renke und Christopher Warmuth

Der Puls des Meeres

6. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Die drei Mitglieder des Kammerflimmer Kollektiefs türmen in der Halle des raum13 Gitarre, Kontrabass, Harmonium und Synthesizer zu melodischen, organisch klingenden Schichten auf. Wellen aus Loops lassen aus einem fragilen Gerüst dabei eine mitreißende Masse werden, die, angetrieben vom kühlen Beat einer Drum Maschine, den Raum durchflutet.
Im Tosen finden sich Wirbel: Der Kontrabass verlässt die sich gegenseitig hochschaukelnden Instrumentenspuren und strömt mit Variationen für kurze Zeit in eine andere Richtung. Gesang auf Wellenhöhepunkten als Seeschaum, manchmal einfach mitschwappend.
Immer dabei – das Pochen in der Tiefe. Der ruhig schlagende Puls im Hintergrund klingt wie ein Uhrwerk, dem Mensch und Umwelt folgen. Manchmal zeigt sich, was passiert, wenn dieses auseinanderfällt und sich in ein wirr-zuckendes Farbrikgeräuschgerüst verwandelt. Die angetriebene Masse wird durcheinander gewürfelt, Störgeräusche entstehen, ein Strudel, in dem sich die Musiker kaum halten können. Verstummt das Schlagen, so zerfallen die Spuren und Wellen flachen ab in die stille See.

IMG_71452

                    Britta Quecke

Meine Neunte Brücke – Musik von Ohr zu Ohr

6. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Wie man Musik einen Raum schafft, hat gestern das Ensemble E-Max bewiesen auf der Eröffnungsveranstaltung des Acht Brücken Festivals. Geleitetet von Christoph Maria Wagner spielte das Ensemble mit dem Konzertsaal und nicht nur auf der Bühne. So spielte Kalina Kalarova, die Violinistin des Ensembles, in Audiodrome zwischen und neben den Zuschauern. Die elektrischen Klavierklänge kamen, so wirkte es, von irgendwoher. Der ganze Raum wurde in seiner Höhe und Weite erfüllt. Ein völlig neues Musikerlebnis. Für viele Zuschauer ein verwirrendes Schauspiel.

Marina Cveljo

Marina Cveljo

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