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Archiv für Mai 2015

Eine Antwort ohne Worte

12. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Künstler, Besucher, Prominente beantworten eine Grundsatzfrage

Von Kira Lorenz und Hannah Schmidt

 

Neue klassische Musik ist ein Feld, das sich nicht jedem sofort erschließt – fernab der musikalischen Strukturen, Klänge und Rhythmen, die den Ohren der älteren Volkslied- und Abonnenten- und der jüngeren Radio- und Charts-Generation geläufig sind. Neue klassische Musik ist Diskussionsstoff, Interpretationsstoff, Denkstoff, keine leichte Kost und gleichzeitig in der Tradition der Komponisten und Werke stehend, die die ‚Hochkultur‘ Europas Jahrhunderte lang geprägt haben. Sie ist Musik mit einem anderen Selbstverständnis, einem neuen Werk- und Interpretationsbegriff, gleichzeitig Statement und Selbstzweck, Praxis und Philosophie. Die Frage ‚Was ist Neue Musik für Sie?‘ ist eine, die wohl nur so gestellt werden kann – nämlich jeden Einzelnen persönlich adressierend. Denn es gibt nicht ‚den‘ Freund der Neuen Musik – und vielleicht auch nicht ‚die‘ Neue Musik. Worte scheinen die Frage kaum treffend beantworten zu können. Daher tun es die Teilnehmer dieser Aktion mit Gesten – und jeden Tag gibt es ein neues Foto.

 

Und zum Abschluss:

Kira_Lorenz_sagt nichts_klein

 

 

Hannah_Schmidt_sagt nichts_klein
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»Ästhetik des Widerspruchs«

12. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Ein Interview mit Schorsch Kamerun

Von Christian Broder

 

Thomas Sehl, besser bekannt als Schorsch Kamerun sucht als Sänger und Theaterschaffender nach der Ästhetik des Widerspruchs und liefert damit treffende Beispiele für politische Kunst. Ein Gespräch vor seinem Konzert beim ACHT BRÜCKEN Festival. More

Wenn Töne den Zuhörer pfählen

12. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Ensemble Ascolta zeigte im Funkhaus, wie unmittelbar Musik sein kann

Von Hannah Schmidt

Wortlose Trauer stottert. Widerstand knattert wie ein Maschinengewehr. Resignation hechelt und rülpst. Entschlossenheit kreist summend um sich selbst. Zustände werden zu Geräuschen werden zu Musik wird wieder zu Geräuschen. Fünf Stücke über politische Unterdrückung, im weitesten Sinne, führte das Ensemble Ascolta am Freitag im Funkhaus auf. Fünf Fantasien darüber, Ohnmächtigen eine Stimme zu geben, Jasagern über den Mund zu fahren, die Faust zu schwingen, Sprachlosigkeit singen zu lassen. More

Absurd gefesselt, großartig gesungen

12. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Bei seiner Uraufführung löste Passaggio einen handfesten Eklat aus; heute wundert man sich eher über die merkwürdige Inszenierung.

Von Anna Ricke

 

Warum verstehe ich kein Wort von dem, was gesungen wird? Warum wickelt man der Protagonistin einen Strick derart albern um den Kopf, dass es vereinzelt Lacher aus dem Publikum gibt? Und warum, warum nur liegt da eine Tom-Tailor-Decke mit nach vorne gerichtetem Markenlogo auf dem Bett? Fragen über Fragen, die leider die musikalisch herausragende Leistung der Mitwirkenden bei Luciano Berios „Messa in Scena“ Passaggio zeitweise in den Hintergrund rückten. More

Absurd gefesselt, großartig gesungen

12. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Bei seiner Uraufführung löste Passaggio einen handfesten Eklat aus; heute wundert man sich eher über die merkwürdige Inszenierung.

Von Anna Ricke

 

Warum verstehe ich kein Wort von dem, was gesungen wird? Warum wickelt man der Protagonistin einen Strick derart albern um den Kopf, dass es vereinzelt Lacher aus dem Publikum gibt? Und warum, warum nur liegt da eine Tom-Tailor-Decke mit nach vorne gerichtetem Markenlogo auf dem Bett? Fragen über Fragen, die leider die musikalisch herausragende Leistung der Mitwirkenden bei Luciano Berios „Messa in Scena“ Passaggio zeitweise in den Hintergrund rückten. More

Mahler. Politik?

11. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Ein Kommentar zum Konzert der Wiener Philharmoniker

von Adrian Ladenberger

 

Wenn ich an Gustav Mahler denke, wo genau kommt mir da eigentlich Politik in den Sinn? Die Frage stellten sich vermutlich einige der Konzertbesucher, die am Mittwochabend der Aufführung vom „Lied von der Erde“ beiwohnen durften. Nach der Uraufführung des Stückes „Masaot/Clocks without Hands“ der Komponistin Olga Neuwirth, welches durchaus eine politische Komponente innehatte, stand es da im Programmheft wie ein Stolperstein. Mahlers atemberaubendes Orchesterwerk hat als gern gesehenes und vielfach aufgeführtes Repertoirestück sicherlich das Zeug zum Publikumsliebling des diesjährigen ACHT BRÜCKEN Festivals, aber ist es auch politisch? More

Im Schlachthaus der Klänge

11. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Das Ensemble intercontemporain ästhetisierte mit Berios Passaggio menschlichen Missbrauch und die blanke Gewalt

 Von Marco Hoffmann

 

„Wir schneiden dir die Zunge ab, sagten sie. Aber vorher – sagten sie – sprich! Aber vorher – sing!“ Es sind Textzeilen wie diese, die der Gewalt eine Gestalt verleihen. In Luciano Berios Passaggio, das bei seiner Uraufführung einen Skandal auslöste, ist diese Gewalt das Ausgeliefertsein. „Sie“, die namenlose Protagonistin der dicht verwobenen Geschichte aus Unfreiheit, patriarchalischer Unterdrückung und Rebellion, wurde am vorletzten Abend des ACHT BRÜCKEN-Festivals von Julia Henning verkörpert. Wahrscheinlich ist „verkörpert“ in diesem Fall aber ein zu schwaches Wort, um die hochemotionale Involvierung der Sopranistin in Berios Figur zu beschreiben. „Gelebt“ trifft es besser.

Die komplexe Anlage von Passaggio setzt sich aus mehreren Schichten zusammen. Berio betreibt kein lineares Storytelling, sondern inszeniert eine „Folge dramatischer Grundsituationen“, wie Umberto Eco die 6 Stationen beschreibt, die in der selbsternannten „Messa in scena“ integriert sind. Äußerlich ist dort ein riesiges Ensemble „am Werk“. Die sichere Distanz zum Bühnenraum ist bewusst gebrochen: über den ganzen Publikumsraum sind Teile eines Sprechchores in kleinen Gruppen platziert. Sie schreien, rufen und kommentieren die Handlung, wie der Pöbel in einem römischen Amphietheater. Ein zweiter Chor sitzt in ebenso unkonventioneller Manier vor dem Orchester. Damit ist visuell klargestellt, dass die Sprache in Berios 1963 entstandenen Werks an vorderster Stelle steht. Sie setzt sich aus verschiedenen nationalen Quellen zusammen, die das Volk als eine globale Masse ohne Gesicht erscheinen lassen. Nur ein einziges Individuum zeigt sich schließlich. More

„Palabras“ – oder: Die Macht der Poesie

10. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Angekündigt war ein Abend, bei dem sich Susana Baca und Ana Tijoux zum ersten Mal auf der Bühne begegnen. Stattdessen: zwei getrennte und musikalisch höchst unterschiedliche Shows, aus denen doch dasselbe hervortrat: die Macht der „Palabras“, der Worte.

 

Von Philine Sauvageot

 

In jeder minimalistischen Bewegung, in jedem Rollen der Schultern steckt Gefühl – so viel Würde und eine unfassbare Weiblichkeit. Susana Baca und ihre anmutige Erscheinung faszinieren; das Publikum in der Kölner Philharmonie singt und klatscht. „Diesen Moment werden wir nicht vergessen“, verspricht die peruanische Sängerin auf Spanisch. „Wir werden singen wie Schwarze. So schwarz, wie wir sind.“ Mit ihren stolzen 71 Jahren, im blau schimmernden Gewand, tänzelt sie dort auf nackten Füßen und strahlt über das ganze Gesicht. Ihre Leidenschaft gilt dem Canto Negro, ihrer Música Criolla. Und so stimmt sie Gedichte aus der Feder der von schwarzen Sklaven abstammenden Peruaner an.

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Ist das (schon) Politik?

10. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Das Ensemble Resonanz im Funkhaus

Von Ricarda Baldauf

 

Die Streicher spielen auf leeren Saiten, kein Finger auf dem Griffbrett. Und jedes Instrument ist anders gestimmt. Der Einzelne hat also nicht viele Möglichkeiten. Doch was man dann hört, wenn sich die Instrumentenklänge vermischen, ist erstaunlich. Sind das die Pfeifen einer Orgel? Ein Akkordeon? Oder elektronische Klänge?
Das Ensemble Resonanz ist gut organisiert, man hört aufeinander – anders würde es bei Louis Andriessens Symfonie voor losse snaren auch nicht klappen. Man ist aufeinander angewiesen, wie bei Squeaking Wings, eine „Hymne für ein nicht existierendes Land“ von Martin Smolka. Eine Melodie entsteht nur im Zusammenspiel, wenn jedes Instrument einen Ton in der Reihe erzeugt. Eine Melodie, die im Kopf bleibt, mit der man aus dem Konzertsaal geht.

In der Mitte der beiden Kompositionen steht an diesem Abend XENIA, auch von Andriessen. Uraufgeführt wurde es 2005 zur gleichnamigen Filminstallation von Anna Lange, zur Eröffnung des Holland Festivals. Barbara Bultmann, Konzertmeisterin des Ensemble Resonanz, rutscht im ersten Teil Sarabande immer wieder glissandierend auf dem Griffbrett nach oben. Caccia ist virtuos, in Song fängt Bultmann plötzlich an, zum Geigenspiel, zu singen – die letzte Strophe von Arthur Rimbauds Gedicht Voyelles von 1871.
Es ist ein schön unaufgeregter Abend. Man fragt sich aber: Ist das (schon) Politik? Wie definieren wir Politik? Braucht Musik einen politischen Hintergrund oder steckt in jeder Musik, dem Spiegel der Gesellschaft, Politik?

Der Tod des „Komponisten-Pianisten“

10. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Nach vierzig Jahren bot Frederic Rzewski am Donnerstag wieder in Köln ein eigenes Klavierwerk dar

Von Jade Conlee

 

Das erdrückende Gewicht der Geschichte war spürbar im Klaus-von-Bismarck Saal des Kölner WDR als Frederic Rzewski sein gewaltiges Klaviersolo The People United Will Never Be Defeated aufführte. Vor vierzig Jahre spielte Rzewski die Uraufführung des gleichen Stückes im gleichen Saal, dessen eckiges, goldenes Dekor die Erinnerung an die Blütezeit des Radios der späten 50er Jahre wachruft (während einer Podiumsdiskussion nach dem Konzert drückte der Pianist seinen Ärger darüber aus, dass der WDR die aktuelle Aufführung nicht aufnahm). Rzewskis Lebensgeschichte stellt eine Hartnäckigkeit dar; versucht einen unmöglichen Spagat zwischen Gegensätzen. Der Sohn der polnischen Einwanderer Rzewski wurde in Massachusetts geboren und ist jetzt siebenundsiebzig. Er studierte bei Persönlichkeiten der amerikanischen und europäischen Avantgarde wie Roger Sessions und Luigi Dallapiccola, und pendelt immer noch zwischen Europa und den USA. Seine Musik war immer für die Avantgarde zu einfach und für politisch Linke zu kompliziert, und, wie viele Andere vor ihm, entschied er sich nie zwischen den Karrieren des Pianisten und des Komponisten.

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