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Freitägliche Wahrnehmungslyrik I

9. Mai 2015     |    Kommentare geschlossen

Ensemble Ascolta!

Von Constantin Stimmer

 

Kennen Sie das,…

 …wenn sich sechs Männer mit schwarzen Sonnenbrillen wie die Men in Black Ihnen gegenübersetzen, an einen Tisch und Sie anstarren, als ob Sie bei einem aufkommenden Verhör in die Mangel genommen werden würden? Rhythmen – auf dem Tisch, im Gesicht, mit dem Gesicht, mit dem Mund – all das strömt auf Sie ein. Baut sich auf und ab.

…Hören Sie das,…

 …wenn Luft, Geräusche wie Pixel sich in einem verzerrten Bild vermengen? Dazwischen immer wieder Pausen. Fermaten. Allerhand Sachen passieren da, aber zellenhaft. Da werden zwei Megaphone gespielt. Oh, wie abstrakt! Zusammenhang?

…Fühlen Sie das,…

 …wenn eine Welle von Tönen strömt? Akustisch katapultierend, dazwischen eine Trompetenmelodie, hymnenhaft und verklärt. Das Klavier schlägt Akkordkaskaden und flirrend saust die Musik dahin.

…Kennen Sie das auch,…

 …wenn ein Posaunist da steht? Er bläst zum Appel. Fanfarenhaft. Immer verworrener. Dann kommt was Neues, eine neue Idee. Immer wieder das rhythmische Federn des einen Tones, der so sehr nach einer Fanfare klingt. Der Spieler ist virtuos; keine Frage.

…Wollen Sie das,…

 …wenn Musik einfach so läuft? Minimal. Minimal Music? Und dann erzählt da Einer etwas von „I think“ und „I am in excellent physical and emotional health“: der Text ist Meditation. Und die Musik auch. Die Wiederholung ist das Momentum, das Tragende die Repetition. Und es dauert, dauert, dauert. Und da hört es auf – Sie finden sich wieder, aus einer Trance erwacht.

…Wenn Sie das alles kennen, waren Sie am Freitag im Klaus-von-Bismarck-Saal des WDR und hörten das Ensemble Ascolta mit Francesco Filedeis I Funerali dell’Anarchico Serantini, Eduardo Moguillanskys 121 (band #2), Hèctor Parras Catalunya Lliure, Nicolaus A. Hubers Presente und Frederic Rzewski Coming Together.

 

 


 
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