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Ist das (schon) Politik?

10. Mai 2015     |    Kommentare geschlossen

Das Ensemble Resonanz im Funkhaus

Von Ricarda Baldauf

 

Die Streicher spielen auf leeren Saiten, kein Finger auf dem Griffbrett. Und jedes Instrument ist anders gestimmt. Der Einzelne hat also nicht viele Möglichkeiten. Doch was man dann hört, wenn sich die Instrumentenklänge vermischen, ist erstaunlich. Sind das die Pfeifen einer Orgel? Ein Akkordeon? Oder elektronische Klänge?
Das Ensemble Resonanz ist gut organisiert, man hört aufeinander – anders würde es bei Louis Andriessens Symfonie voor losse snaren auch nicht klappen. Man ist aufeinander angewiesen, wie bei Squeaking Wings, eine „Hymne für ein nicht existierendes Land“ von Martin Smolka. Eine Melodie entsteht nur im Zusammenspiel, wenn jedes Instrument einen Ton in der Reihe erzeugt. Eine Melodie, die im Kopf bleibt, mit der man aus dem Konzertsaal geht.

In der Mitte der beiden Kompositionen steht an diesem Abend XENIA, auch von Andriessen. Uraufgeführt wurde es 2005 zur gleichnamigen Filminstallation von Anna Lange, zur Eröffnung des Holland Festivals. Barbara Bultmann, Konzertmeisterin des Ensemble Resonanz, rutscht im ersten Teil Sarabande immer wieder glissandierend auf dem Griffbrett nach oben. Caccia ist virtuos, in Song fängt Bultmann plötzlich an, zum Geigenspiel, zu singen – die letzte Strophe von Arthur Rimbauds Gedicht Voyelles von 1871.
Es ist ein schön unaufgeregter Abend. Man fragt sich aber: Ist das (schon) Politik? Wie definieren wir Politik? Braucht Musik einen politischen Hintergrund oder steckt in jeder Musik, dem Spiegel der Gesellschaft, Politik?


 
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