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Archiv für Mai 2015

Am Abgrund der Utopie

10. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Ein Porträt von SUONO MOBILE

Von Jade Conlee

 

Was für einen Klang hat die Utopie? Im Rahmen des Projektes„urbo kune: eine gemeinsame Stadt“ spielte das Ensemble SUONO MOBILE keinen schönen Soundtrack vor. Stattdessen stellen sie eine kritische Utopie vor, die noch starken Bezug auf Realität hat. Jade Conlee interviewte den Dirigent des Ensembles Christof Löser, sowie die Komponisten Michael Maierhof und Malte Giesen, zum Thema des produktiven Widerspruchs eines gemeinschaftlichen Ideals.

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Schimmer einer anderen Welt

9. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Die Wiener Philharmoniker inszenieren mit Mahler und Neuwirth die Verflüchtigung der greifbaren Heimat

Von Marco Hoffmann

 

Die Stimmung in der Philharmonie ist gespannt. Einer der am meisten erwarteten Konzertabende des gesamten Festivals steht unmittelbar bevor. Dirigent Daniel Harding steht vor dem wahrscheinlich sagenumwobensten Orchester der Welt, den Wiener Philharmonikern, und richtet zögerlich und langsam seinen Stab, um den Einsatz zu geben. Doch es ist nichts wahrzunehmen. Nur pure, beißende Stille. Der gesamte Saal erstickt vor Erwartungen. More

Freitägliche Wahrnehmungslyrik I

9. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Ensemble Ascolta!

Von Constantin Stimmer

 

Kennen Sie das,…

 …wenn sich sechs Männer mit schwarzen Sonnenbrillen wie die Men in Black Ihnen gegenübersetzen, an einen Tisch und Sie anstarren, als ob Sie bei einem aufkommenden Verhör in die Mangel genommen werden würden? Rhythmen – auf dem Tisch, im Gesicht, mit dem Gesicht, mit dem Mund – all das strömt auf Sie ein. Baut sich auf und ab. More

Freitägliche Wahrnehmungslyrik II

9. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Sinfonieorchester des WDR!

Von Constantin Stimmer

 

Sehen Sie das,…

 …wenn ein Mann da steht? Redet. Erzählt. Etwas erzählt von einer Hommage an Fučík. Der von den Nazis ermordet wurde. Anmoderiert. Und sensibilisierend? Für die Musik? – Die Musik braucht immer einen Text, der erklärt. Wirklich? More

Erzählstunde im gemütlichen Sessel?

7. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Heiner Goebbels im Schauspiel Depot – eine persönliche Reflexion

von Marco Hoffmann

 

Ein und der selbe Komponist sprach mit seiner Musik zu uns – und doch gab es dabei zwei völlig gegensätzliche Wirkungen. Heiner Goebbels Mini-Portrait im Schauspiel Depot am Sonntagabend warf grundsätzliche Fragen über die Wirkungsmechanismen von Neuer Musik auf.

Es war ein unbehagliches Gefühl, mit dem ich in der Pause den Konzertsaal in Köln-Mülheim verließ. Soeben war Goebbels Befreiung, eine sogenannte „konzertante Szene“ für Sprecher und Ensemble, erklungen. More

Totalkollaps

7. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Die Uraufführung von Gerhard Stäblers …AUSREISSEN DAMIT / ES GRÜN BLEIBT… mit dem Collegium musicum der Uni Köln und dem Ensemble neue Musik der Rheinischen Musikschule 

Von Maria Gnann

 

Plattgewalzt! So fühlt man sich nach dem ersten ACHT BRÜCKEN-Lunch 2015, platt wie eine Flunder. Nach einer Stunde im Rathaus Köln taumeln die Besucher hinaus in die Sonne des ersten Maifeiertags und es wäre kaum verwunderlich, wenn sie mir nichts dir nichts aus ihren Latschen kippen würden. Zackbum! Was sich drinnen bei der Uraufführung von Gerhard Stäblers … AUSREISSEN DAMIT/ ES GRÜN BLEIBT … abgespielt hatte, war einfach unerhört.

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(M)Eine gemeinsame Stadt

7. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen
von Kira Lorenz

Zum fünften Mal findet zur Zeit in Köln das Acht Brücken Festival statt. Komponisten, Solisten und Ensembles aus aller Welt versammeln sich in der Metropole am Rhein. Zehn Tage lang wollen sie das Motto des Festivals „Musik. Politik?“ musikalisch veranschaulichen und analysieren. Passend zum Thema öffnete die Philharmonie Köln vergangenen Mittwoch mittag ihre Türen und zeigte mit dem Projekt „Urbo Kune “ eine vielschichtige Sicht auf den Diskurs. Kira Lorenz war vor Ort.

Hörfunkbeitrag zu Urbo Kune

 

 

Es ist Krieg und keiner weint

7. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Heiner Goebbels‘ Theatermusik Songs of Wars I Have Seen steckt voller Widersprüche. Das soll sie auch.

Von Philine Sauvageot

 

So intim wie im heimeligen Wohnzimmer, im Halbkreis einander zugewandt, warm umstrahlt von Vintage-Lampen, sitzen die Instrumentalistinnen des Ensemble Musikfabrik und des Concerto Köln beisammen. Die Frauen spielen und erzählen: Honig sei der Zucker der Kriegsleidenden. Und irgendwie sei das doch auch witzig.

Diese trivial scheinende Beobachtung stammt aus Gertrude Steins hierzulande unbekanntem Werk Wars I Have Seen (1945). Ihre Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, meist kryptisch, ohne Interpunktion verfasst, eignen sich die Musikerinnen an, tragen sie frei, humorvoll und teils fehlerhaft, neben dem Takt und mit starkem deutschem Akzent vor. In ihrer Rolle der Gertrude Stein, die sie ohne Schauspiel- und Sprechausbildung spielen, wirken sie ungeschützt – so, als gäben diese Frauen auch etwas von sich selbst preis.

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Künstler ohne Vision?

7. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen
Von Philine Sauvageot und Anna Ricke

Widersprüche braucht die Welt! – davon ist zumindest der Komponist und Regisseur Heiner Goebbels überzeugt. Er habe keine Vision und auch kein Bedürfnis zu schreiben. Sein Beitrag zum ACHT BRÜCKEN Festival ist eine Adaption von Gertrude Steins Roman Wars I Have Seen. Wir haben ihn nach einer schleppenden Podiumsdiskussion persönlich getroffen.

> Interview mit Heiner Goebbels <

Zeichnung von Xenia Khan: Heiner Goebbels und Louwrens Langevoort diskutieren am 4. Mai über die Frage, was politische Musik heute ist.

I cannot remember just how it is when there is no war

7. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Goebbels Songs of Wars I have seen erzählt vom Versuch, den Alltag während des Kriegs aufrechtzuerhalten

Von Anna Ricke

 

Das erste, was während eines Kriegs verschwindet, ist der Zucker, und so isst jeder Honig, während im Frieden niemand Honig isst, weil ihn jeder eigentlich viel zu süß und klebrig findet. Beobachtungen wie diese hält Gertrude Stein in ihrem 1945 veröffentlichten Buch Wars I have seen fest. Von ihrem Aufenthaltsort in Frankreich aus verbindet die Amerikanerin Alltagsbeobachtungen und Kommentare über Essen, ihren Hund, das Wetter und Literatur mit sehr politischen Statements.

Heiner Goebbels hat daraus eine Art Gesamtkunstwerk geschaffen: Text, Musik, Licht, performative Elemente lassen sofort erkennen, dass hier kein der Welt abhandengekommener Komponist am Schreibtisch zugange war, sondern ein echter Theatermensch. Die Männer, in Steins Buch im Krieg, stehen im hinteren Teil der Bühne klassisch aufgereiht, während die Frauen des Orchesters im Vordergrund im Halbkreis sitzen und dort abwechselnd Ausschnitte aus Steins Buch vorlesen. Zwischen ihnen stehen antike Tischchen und Lampen mit wunderbar altmodischen Lampenschirmen, die ein heimelig warmes Licht abgeben. Doch immer wieder dringt der Krieg und damit kaltes Licht in diese warme Welt mit Wohnzimmeratmosphäre, in der die Frauen Shakespeare lesen und ihre Anekdoten erzählen. Sie, die zuhause Gebliebenen, versuchen eine häusliche Routine unter den widrigen Umständen des Krieges fortzuführen. Dabei legt Goebbels seinen Fokus auf die krasse Unvereinbarkeit zwischen Steins Bildern von Krieg, Bomben und Politik im Vergleich zu Honig, Zucker, Hunden und Hühnchen. Diesen Widerspruch löst er aber nicht, sondern lässt ihn im Raum stehen. More

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