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Klangkörper – Körperklang

7. Mai 2016     |    Kommentare geschlossen
Freddy, Faada
von Marius Wurth

Es passt sehr wenig an diesem Abend. Faada Freddys Konzert ist in der Philharmonie fehlplatziert und überzeugt auch musikalisch nur selten. Der Senegalese spielt mit seiner Band „The Family“ eine Art vokalen Gospel-Soul, bei dem der Körper das einzige Instrument ist: Brustkorb und Hände ersetzen das Schlagwerk, Lippen und Mund die Blasinstrumente und die Stimmbänder ahmen Saiteninstrumente nach.

Dies wirft eine ganze Reihe an Thesen und Fragen auf, die es zu betrachten lohnte. Dass er den Körper wieder als Ur-Instrument ins Zentrum rückt. Ob Musikinstrumente die Repräsentationen einzelner Körperteile darstellen? Warum Musik und Tanz häufig als voneinander getrennte Sphären angesehen werden? Und dass Faada Freddys A capella-Musik eine Art ursprüngliche Musik ist.

Aber um Konzerte in ihrer Gänze zu erfassen, darf eben nicht nur auf eine höhergestellte Abstraktionsebene geschaut werden, die durch Faada Freddys Darbietung gegeben ist. Ein Konzert findet immer als das statt, was es ist: ein performatives Manifest. Es ist mehr als nur die Wiedergabe komponierter Musik. Gestik, Mimik, Bühnenansprache, Interaktion, Ritual, Umfeld, Soundqualität, Authentizität, Publikum und vieles andere darf nicht außer Acht gelassen werden. Hierin liegt die Krux von Faada Freddys Philharmoniekonzert.

Denn die zur Schau gestellte Körperlichkeit der Musik Faada Freddys steht vor allem quer zur Umgebung. Die Sitzreihen der Philharmonie sind nicht konzipiert für derart ganzkörperliche Konzerte. Das Publikum tanzt zwar bei den schwungvolleren Songs in den beengten Sitzreihen. Sinniert dabei aber wohl mehr über den begangenen Tabubruch und sinkt nach jeder Nummer verlässlich wieder in die Sessel. Dies bleibt auch Faada Freddy nicht verborgen. Der mausert sich dadurch mehr und mehr zu einem Pauschalreisen-Hotelanimateur und heizt dem Publikum immer wieder ein.

Dabei verbleibt Faady Freddy zu häufig in Allgemeinplätzen. Gegen Äußerungen wie „Music is food for the soul“ oder „We need to stop the wars“ kann man zwar nur schlecht argumentieren. Originelle Aussagen sehen aber anders aus. Spätestens das „No Woman, No Cry“-Cover der Zugabe wird zum reinen Klischee der Freizeit-Weltverbesserer.

Gleichzeitig bleibt auch die Musik selbst hinter den oben genannten diskussionswürdigen Aspekten zurück. Die erste Begeisterung über die ungewöhnliche Spielart Faada Freddys und seiner „Family“ weicht schnell der Erkenntnis, dass die Musik doch sehr Formelhaft bleibt. Seine Stücke reichert er zwar notdürftig mit karibischen Rhythmen, Hip Hop („Generation Lost“) oder Scat Singing an. Aber hinter diesen Einflüssen wird die Formelhaftigkeit der Musik eklatant. Vielleicht reichen die Möglichkeiten des menschlichen Körpers als Musikinstrument doch nicht aus, um auf Dauer interessante, überraschende, abwechslungsreiche und begeisternde Musik zu kreieren.

 


 
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