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Klangvoller Ausklang in Sankt Aposteln Köln

7. Mai 2016     |    Kommentare geschlossen

© Inga Trost

ACHT BRÜCKEN Festival am Eröffnungstag

Von Mariya Kautz

 

Mit urbaner Poesie elektronischer Soundfeeling füllte sich das Refektorium von St. Aposteln. Hier im Kirchenvorraum trifft das Irdische auf das Göttliche. So war es auch. Mit seiner Performance „Pop – Ambient“ erzeugte Max Würden an diesem sakralen Ort eine meditative Stimmung. Die Lichtdramaturgie, durch die die Basilika immer wieder ihr Antlitz änderte, intensivierte diese kontemplative Atmosphäre. Seine Musik, die zum größten Teil aus Samples besteht, nennt Max Würden zu Recht als Tracks, also Spuren. Der Kölner Künstler verarbeitet die aufgenommenen Klänge elektronisch und organisiert sie von Pulsen über Ostinato-Rhythmen zur Melodie mit magischer Wirkung, gerade zu haptisch. Den Sound der E-Orgel mischte er mit unterschiedlichen Effekten, wie den Klang einer tiefen Glocke oder auch mal mit einem Hundegebell. Würden changierte diesmal zwischen Live-Sampling und Synthesizer. Seine Virtuosität beeindruckte und überzeugte. Und das war noch nicht alles.

 

Die zweite Konzerthälfte bestritt der schnellste Klavierspieler der Welt Lubomyr Melnyk. Der in Schweden lebende ukrainische Musiker kann neununddreißig Töne pro Sekunde spielen – das können wir gar nicht wahrnehmen! – und ist damit Weltrekordhalter. Durch das Spielen in quasi Lichtgeschwindigkeit gerät Melnyk in einen ekstatischen Zustand. Das neuste dreisätzige Werk „For the three Kings“ (2016) komponierte Melnyk für Köln und widmete es, wie der Titel verrät, den Heiligen Drei Königen. Auch diese Komposition gilt als „Continuous Music“, eine von Lubomyr Melnyk in den 1970er Jahren entwickelte Klavierspieltechnik. Sie basiert auf dem eben außergewöhnlich schnellen Spieltempo mit Pedal, wodurch ein auratischer Klavierklang, ein so genannter Sustain, erreicht wird. Erstaunlich, wie in diesem rasanten Tempo noch ein Thema oder sogar ein Choral zu spielen möglich ist und dabei leicht auf minimalistische Art verarbeitet wird. Dieser Klaviersound mixte Melnyk im zweiten Satz mit elektronisch erzeugten Effekten und im dritten – mit der Orgel, wodurch er den gesamten Resonanzkörper, die St. Aposteln Basilika, ins Schwingen brachte. Die Elektronik und Orgel bediente die lettische Komponistin und Performerin Maija Lïcïte, die seit 2015 mit Lubomyr Melnyk zusammenarbeitet.

 

Die Mitternachtsmusik in St. Aposteln wirkte besinnlich und kontemplativ. Der erste Tag des ACHT BRÜCKEN Festivals schloss also mit einem klangvollen Ausklang.

 

 


 
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