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Bombay-Sound in Köln

8. Mai 2016     |    Kommentare geschlossen
©Künstleragentur
von Myriam Rosenkränzer

In Indien ist sie ist eine Ikone. Und Köln kennt sie auch.  Das ACHT BRÜCKEN-Konzert der Sängerin Bombay Jayashri war jedenfalls ausverkauft. Ergraute Besucher saßen neben jungen Indern. Vielleicht weil einige den Ang-Lee-Film Life of Pi (Schiffbruch mit Tiger) gesehen haben und die populäre Version ihrer Musik kennen. Die klassisch-traditionelle Musik ihrer Heimat, die karnatische Musik Südindiens präsentierte Bombay Jayashri  in ihrem Konzert am 4. Mai.

In kunstvollen Ragas, den indischen Melodiemodellen agiert sie so schnell, als ob sich ihre Stimme überschlägt. Dabei trifft sie alle Töne der Kompositionen des indischen Großmeisters Tyagaraja (1767-1847) punktgenau. Schleift sie zwar zuvor an, eine typische Technik für diesen Gesang, variiert die Melodie in vielen Varianten und kunstvollen Verzierungen.

Für europäische Ohren sicher eine Herausforderung. Und auch für die Augen. Ungewöhnlich ist die Aufstellung der Musiker, besser gesagt deren Haltung. Zweieinhalb Stunden sitzen sie alle im Schneidersitz und spielten ihre authentischen Instrumente:

Patri Satish Kumar mit der Mrdangam (Längstrommel),  die Bombay Schülerin Vijayashri Vittal mit der Tambura (Monochord-Zither), der Geiger H. N. Bhaskar mit der Violine und V Suresh mit einem roten Tontopf. Zwischen seinen Knien klemmt diese Ghatam, der er mit klopfenden Fingern und Fäusten erstaunlich viele faszinierende Klänge entlockt.

Auf unbeschreiblich hohem Niveau spielen Tyagarajas Werke, die immer wieder mit eingeschobenen Improvisationen bereichert werden. Schon bei der Ersten tobt der Saal. Bombay Jayashri singt höchst komplizierte Improvisationen, die der Geiger in einer Schnelligkeit und Präzision wiederholt, mal wie ein Echo, dann wieder gleichzeitig. Auch die beiden Trommler liefern sich einen Wettkampf, der förmlich von originären Rhythmus-Ideen sprüht.

Überhaupt: Diese Musik begeistert. Das Publikum freut sich und auch die Musiker strahlen. Besonders häufig lächelt der Geiger, wenn ihm etwa eine Synkope noch besser als sowieso gelingt.

Schon nach ein paar Minuten ist das Resultat dieses Konzertes absehbar: Standing ovations.


 
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