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Schwere Kost bei Sonnenschein

13. Mai 2016     |    Kommentare geschlossen

Das Orchester der Kölner Musikhochschule mit Ustwolskaja, Zimmermann und zwei Uraufführungen

 

Von Margarete Buch

Ein gemischtes Konzertprogramm forderte am Sonntagnachmittag (8. Mai) bei strahlendem Sonnenschein die Besucher des ACHT BRÜCKEN Festivals im WDR Funkhaus. Durch die Ankündigung von Werken von  Bernd Alois Zimmermanns und Galina Ustwolskajas angelockt, fanden auch zwei Uraufführungen in diesem Konzert ein beachtliches Publikum. Das Orchester der Kölner Musikhochschule, dirigiert von Alexander Rumpf, spielte zum Auftakt die „Saurau-Variationen“ von Antonio Covello. Der 1985 geborene Komponist studierte unter anderem an der Kölner Musikhochschule und lebt in Italien. Sein Werk bezieht sich zwar auf das Buch „Verstörung“ von Thomas Bernhard. Dennoch erzählt Covello mit den musikalischen Mitteln keine Geschichte, sondern er zeichnet verschiedene Stimmungsbilder. In den sich immer neu aufbauenden Flächen dominieren zitternde Streicher und Schlagzeugimpulse. Mäßiger Applaus.

Viel Applaus erhielt indes die in Teheran geborene Komponistin Farzia Fallah (*1980) für die Uraufführung ihres Orchesterwerks „Die dritte Schrift“, dessen Titel sie einem Gedicht des persischen Mystikers Shams Tabrizi, der im 13. Jahrhundert lebte, entnahm. Neben endlosen Orchester-Glissandi und -Crescendi begeisterten vor allem die Soli der drei Schlagzeuger. Zwei von ihnen gestalteten mit großer Trommel und Gongs eine lange Ausblende, eher der Dritte ganz hinten auf der Bühne mit zarten Wassergeräuschen einen Schlusspunkt setzte. Nur das hemmungslose Husten des Publikums nahm kein Ende.

Mit den „Antiphonen“ komponierte Bernd Alois Zimmermann 1962 ein Werk, über das sich alle von Witzen geplagten Bratschisten freuen sollten. Barbara Maurer interpretierte das hochvirtuose Violakonzert mit Bravour. Das zunächst nur instrumental besetzte Stück nimmt zum Ende hin eine Wende zu einem sprechenden Orchester, das aus Klassikern der Weltliteratur in acht verschiedenen Sprachen zitiert.

Die Suite für Orchester von Galina Ustwolskaja, um 1955 entstanden, markiert weniger einen zeitlichen als einen ideologischen Sprung: Sozialistischer Realismus vom Feinsten. Ustwolskaja hat die meisten der aus finanziellen Engpässen entstandenen Kompositionen nicht in ihr Werkverzeichnis aufgenommen. Eine Ausnahme ist diese Suite. Sie beweist, dass nicht alle ideologiekonformen Werke zwangsläufig schlecht sein müssen. Für alle Ustwolskaja-Kenner, sie ist die diesjährige Fokuskomponistin, steht die Suite im großen Gegensatz zu den Werken, die sie zunächst nur für die Schublade schrieb. Für diesen sonnigen ACHT BRÜCKEN Nachmittag hätte man sich jedoch keinen passenderen Rausschmeißer wünschen können.


 
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