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Himmelfahrt zu Himmelfahrt

18. Mai 2016     |    Kommentare geschlossen

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Messiaens Orgelmeditationen im Kölner Dom

Von Andreas Simon Fischer

E-Dur, F-Dur, Fis-Dur, G-Dur. In der Nacht vor Christi Himmelfahrt erheben sich die vier chromatisch aufsteigenden Tonarten nacheinander von den beiden Orgeln in dem dezent beleuchteten Kölner Dom. Es entstehen raumgreifende Klangkombinationen, die sich im Nachhall der Kirche noch stärker ausbreiten.

Jede Tonart gehört zu je einem Satz von L’Ascension (Himmelfahrt) des französischen Komponisten Olivier Messiaen. 1932/33 schrieb er diese vier sinfonischen Meditationen ursprünglich für Orchester, ein Jahr später bearbeitete er sie für Orgel.

Den Rahmensätzen dieser Meditationen liegt Christi Gebet aus dem Johannes-Evangelium zu Grunde. Christus bittet, nachdem er der Welt die göttliche Botschaft offenbart hat, um die Rückkehr zum Vater in den Himmel (I. Majesté du Christ demandant sa gloire à son Père; Die Majestät Christi, seine Ehre von seinem Vater erbittend) und er steigt auf (IV. Prière du Christ montant vers son Père; Gebet Christi, zu seinem Vater aufsteigend). Die beiden Binnensätze spiegeln indes die Gemeinschaft der Gläubigen auf Erden, die auf eine Nachfolge Jesu hoffen und ihn lobpreisen. Diese theologische Dichte seines Werkes steigert Messiaen (1908-1992), indem er den Kompositionssätzen Bibel-Zitate und Passagen aus der Himmelfahrtsliturgie programmatisch zur Seite stellt. Domorganist Winfried Bönig setzt mit seinem klaren Spiel die vielfältigen Klangfarben der Langhaus- und der Schwalbennestorgel in Szene: Mal verschmelzen die Klänge der beiden Orgeln, wenn Bönig sie gleichzeitig einsetzt, mal lässt er beide Orgeln in einen Dialog miteinander treten. Dies geschieht im zweiten Satz II. Prière du Christ montant vers son père (Gebet Christi, der zu seinem Vater auffährt), der selbst zwischen zwei korrespondierenden Teilen changiert.

An der Klangwelt von Messiaen, der sechzig Jahre als Organist der Pariser Kirche La Trinité wirkte, kommt ein Festival, das unter dem sehr breit gefassten Motto „Musik und Glaube“ steht, nicht vorbei. Er ist ein „Theologe“ mit Tönen. Nahezu all seinen Stücken liegen Texte der römischen-katholischen Liturgie, Bibelzitate oder andere theologische Schriften zu Grunde. Aber funktionale Kirchenmusik hat er nie geschrieben.

Es war eine gelungene Idee von ACHT BRÜCKEN Messiaens transzendente Himmelfahrts-Meditationen dem Kirchenjahr entsprechend platziert zu haben. Ein guter Versuch, Liebhaber moderner Musik und gläubige Kirchgänger zusammenzubringen.


 
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