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Freude-ception

31. Mai 2016     |    Kommentare geschlossen

c_Jonas_Harksen
von Max Ernst

 

FREUDE. Eine Stunde lang, vielleicht sogar einen ganzen Tag lang, aber doch in der Zeit einer Stunde. Das stand bei dem Lunchkonzert am Samstag auf dem Programm. Offenbar ein Versprechen, das neugierig macht, denn die Kirche St. Peter in Köln war voll. Wohlgemerkt an einem Samstag bei strahlendem Sonnenschein.

 

Es ist die zweite Stunde aus dem Zyklus Klang – Die 24 Stunden des Tages des 2007 verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen und gehört damit zu seinen letzten Stücken. Doch vermutlich hatte nicht nur der Titel eine einladende Wirkung auf die Kölner, sondern auch die ungewöhnliche Besetzung, denn wie oft erlebt man zwei Solo-Harfenistinnen, die gleichzeitig spielen und singen?

 

Chu-Heng Liao und Wei-Ching Tseng gelang es schon zu Beginn des Konzerts, das sowohl technisch als auch musikalisch hoch-anspruchsvolle Stück gut umzusetzen. Der Text der lateinischen Hymn Veni Creator Spiritus (Komm, Gott Schöpfer) war nicht immer zu verstehen, allerdings waren der Gesang und die ineinander greifenden musikalischen Linien der beiden Harfen durch Blickkontakt so gut koordiniert, dass stellenweise der Eindruck entstand, die beiden Musikerinnen seien zu einer einzelnen verschmolzen.

 

Für das Publikum schien es zunächst schwierig zu sein, sich in Freude hineinzufinden, wenn man Hüsteln, Rascheln und Stuhlknarren als Zeichen von Unruhe deuten kann. Diese anfängliche Unruhe war im Verlauf des Stücks auch an anderen Stellen zu spüren – ein vierzig-minütiges Stück für zwei Harfen ist im Klang eben nur eingeschränkt variabel. Darüber hinaus führte die wegen des Gesangs notwendige elektronische Verstärkung des Spiels in der Kirche zu einigem Hall, sodass das an sich präzise Spiel der Harfenistinnen gerade an den bewegteren Stellen des Stücks leider verschwommen klang.


 
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