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Archiv für die Kategorie ‘Impression’

Kleine Wünsche

18. Mai 2016   |   Kommentare geschlossen

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von Jonas Harksen

Für den Kompositionswettbewerb des ACHT BRÜCKEN Festivals sollten dieses Jahr Vokalsextette eingereicht werden. Zwei Werke wurden für das Finale am 9. Mai zur Uraufführung ausgewählt, die Stücke „Duo Seraphim“ Catalina Rueda und „kleine Wünsche“ von Agnė Mažulienė. More

Ustwolskaja – ein Selbstversuch

9. Mai 2016   |   Kommentare geschlossen
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von Nina Waldmüller

Vor mir hämmert ein Mann auf eine Holzkiste. Ich sitze in der Kölner Zentralmoschee und höre zwei der Eröffnungskonzerte des Festivals ACHT BRÜCKEN: Es ist meine erste Begegnung mit den Werken der russischen Komponistin Galina Ustwolskaja (1919-2006). Ich will unvoreingenommenen sein und bin gespannt, was mir das „Festival für Musik der Moderne“ näher bringen möchte. Dennoch wende ich mich bald hilfesuchend an das Programmheft. Es warnt mich: Die Künstlerin hat stets betont, ihre Musik solle man nicht analysieren. „Na toll“, denke ich voller Vorfreude. Ich soll das Konzert rezensieren. More

Musik für wen?

8. Mai 2016   |   Kommentare geschlossen
© Jonas Harksen
von Miriam Zeh

 

Ich begegne ihr gleich bei meinem ersten ACHT BRÜCKEN-Lunchkonzert. Naiv gutgläubig setze ich mich neben sie. Auch, weil es fast der einzige noch freie Platz ist. Die Kölner Zentralmoschee ist proppenvoll. „Wissen sie, was das früher für ein Gebäude war?“, fragt sie, noch bevor ich meinen Schal ablegen kann. „Eine riesige einstöckige Fabrik war hier. Da haben fast nur Frauen gearbeitet. Und gleich um die Ecke, da war Kölns erster Wasserspielplatz.“ Ich ringe mir ein höfliches Nicken ab, schiele aber auf die Uhr. Sollte das Lunchkonzert nicht bereits begonnen haben? More

Freitägliche Wahrnehmungslyrik I

9. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Ensemble Ascolta!

Von Constantin Stimmer

 

Kennen Sie das,…

 …wenn sich sechs Männer mit schwarzen Sonnenbrillen wie die Men in Black Ihnen gegenübersetzen, an einen Tisch und Sie anstarren, als ob Sie bei einem aufkommenden Verhör in die Mangel genommen werden würden? Rhythmen – auf dem Tisch, im Gesicht, mit dem Gesicht, mit dem Mund – all das strömt auf Sie ein. Baut sich auf und ab. More

Freitägliche Wahrnehmungslyrik II

9. Mai 2015   |   Kommentare geschlossen

Sinfonieorchester des WDR!

Von Constantin Stimmer

 

Sehen Sie das,…

 …wenn ein Mann da steht? Redet. Erzählt. Etwas erzählt von einer Hommage an Fučík. Der von den Nazis ermordet wurde. Anmoderiert. Und sensibilisierend? Für die Musik? – Die Musik braucht immer einen Text, der erklärt. Wirklich? More

Ich auf Armlänge. Das Neunte Auge

6. Mai 2014   |   Kommentare geschlossen

Wie weit man von sich zurücktreten muss, um sich selbst zu erkennen, ist seit einiger Zeit kein Geheimnis mehr: Das Ich ist genau eine Armlänge entfernt, das Selfie ist der Selbstvergewisserungsmodus des Smartphonesklaven. Vom Selbstporträt unterscheidet es sich eben dadurch, dass die Möglichkeiten zur Realisierung – und damit zur Inszenierung – des Porträts im Maße des Körpers begrenzt sind: Man kann nur so weit zurücktreten, wie die Armlänge reicht und den Winkel so wählen, wie es die Hand gerade noch erlaubt, den Auslöser zu betätigen. Der Selfie-Modus ist blind, es sei denn, man wählt die Kamera auf der Bedienoberfläche, die weitere Verzerrungen garantiert. Narziss hat sich auf der Wasseroberfläche auch nicht anders gesehen.

Die Perspektive ist also vertraut: die ungeschminkte Großaufnahme des Gesichts der Protagonisten. Sie sind gefangen, jeder in seinem eigenen Ich-Käfig, Außenkontakt nur medial vermittelt: Mikrophone, Überwachungskameras übertragen den Ton, das Bild, das Klangbild nach draußen. Die Körper sind unfrei, das Ich nicht minder. Der Körper schlägt, das Ich vagiert: Augenkopf guckt, Nackenkopf nickt, Ohrauge lauscht, Augenauge starrt, es bleibt trocken. Kameraauge übertragt Brustkörper auf Körperhand, Handkörper filmt Brust, Körper schlägt, das Ich nicht minder.

Mit Luna Park hat Georges Aperghis wenige Jahre bevor die Illusion von Privatheit durch die Enthüllungen eines amerikanischen Softwareingenieurs endgültig zerstört worden ist, ein Medienmusiktheater komponiert, das die Unmöglichkeit thematisiert, in der überwachten Welt unsichtbar zu sein. In einer polyphonen Verschaltung von Bild und Ton entrollt er die Unentwirrbarkeit unserer medialen Verstrickungen. Man muss sich dem hingeben. Ein freies Ich sein ist nur noch möglich unter der Bedingung, dass ich Viele bin. Auf Armlänge unerreichbar.

Patrick Hahn

Zur Geschichte des Selfies in der Fotografie und im Netz

http://www2.ljworld.com/news/2014/mar/16/behind-lens-history-selfie/

http://www.huffingtonpost.com/2013/10/15/selfie-history-infographic_n_4101645.html

http://www.fastcodesign.com/3026832/this-might-be-the-first-selfie-in-photographic-history

http://www.vulture.com/2014/01/history-of-the-selfie.html

Martin Grubinger im Staatenhaus – Eine Zeugenaussage

6. Mai 2013   |   Kommentare geschlossen

Wie betäubt stehe ich auf dem Platz vor dem Staatenhaus. Um mich herum versammeln sich einige Menschen, denen es ähnlich geht. Was ist geschehen da drinnen? In Gedanken lasse ich die vergangenen 45 Minuten Revue passieren…

 

Im Saal haben vorfreudige Besucher Platz genommen. Ich selbst finde noch einen freien in der dritten Reihe. Bedenklich weit vorn, wenn man sich die riesigen Percussionsinstrumente auf der Bühne anschaut, die auf auf ihren Einsatz warten. Eine Basstrommel ist mit ihrer Unterseite genau auf mich ausgerichtet. Hoffentlich wird ihr Spieler sie nicht überstrapazieren.

 

Applaus hebt an. Drei schwarz gekleidete Männer betreten die Bühne. Der dynamischste von ihnen greift zum Mikrofon und spricht ein paar Sätze. Es ist Martin Grubinger, der Star des heutigen Abends. Zu seinen Seiten gehen Leonhard Schmidinger und Rainer Furthner in Position. Dann greift auch Martin zu den Schlegeln. Los geht‘s.

 

Meine Hoffnung, der Spieler würde die Basstrommeln nur mäßig beanspruchen, wird  schon im ersten Augenblick zerstört. Ein Mann aus Martin Grubingers Ensemble streichelt seine Instrumente nicht. Seine Schläge auf die Trommel rasen direkt auf mich zu. Mein Herz bleibt stehen. Mein Brustkorb bebt.

 

Xenakis hat dieses Stück eigentlich für drei Djembén komponiert. Auf dieser afrikanischen Trommel lassen sich zwar viele Klangfarben erzeugen, aber sie ist deutlich weniger laut. Wahrscheinlich war das der Grund, warum Martin das Stück umarrangiert hat. Auf dem großen Schlagwerk klingt „Okho“ einfach bombastischer.

 

Dem Martin scheint das zu gefallen. Wild grimassierend haut er auf seine Instrumente. Voller Wucht lässt er seine Schläge auf die Felle niederfahren. Zähnefletschend wirbelt er im Rausch der Rhythmen um seine Geräte. Nach nur wenigen Minuten steht ihm sein Einsatz ins Gesicht geschrieben. Dicke Schweißtropfen treten auf seine Stirn. Die anderen beiden erfüllen souverän ihren Teil. Martin leitet sie an. Aus seinem Blick spricht das Alpha-Tier.

 

Nach einem letzten schmetternden Trommelwirbel bricht „Okho“ abrupt ab. Schon das Ende? Nein, Schmidinger, kratzt mit seinem Stock auf einem Tomtom. Wieder setzen die auf Trommler an ihren größten Instrumenten an. Ein paar letzte, gewaltige Schläge, dann tosender Applaus. Das Trio kommt zum Rand der Bühne und verbeugt sich brav. Sie gehen zusammen ab, verschwinden durch eine Tür und kommen zurück mit einer ganzen Horde schwarz gekleideter Schlagzeuger. Warum sind es so viele? In mir wächst eine dunkle Vorahnung. Die Drummer verteilen sich im Saal. Wir sind umzingelt.

 

Wolfgang Rihm hat mit „Tutuguri VI“ gleichsam den Schlachtplan für diesen Abend entworfen. „Tutuguri“ ist ein Werk, das den Zuhörer an seine Grenzen führt. Wenn Trommelwirbel durch den Saal wüten, wenn scheppernde Tamtams die Luft zerfetzen, wenn die Instrumente zornig grollen, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich dem Klanggewitter hin zu geben. Zwar wandern schon zu Beginn des Stückes erste Finger zu den Ohren. Aber soll man wirklich eine halbe Stunde so aushalten? Keine Chance. Der Saal zittert vor Energie.

 

Auch Martin kommt in diesem Stück an seine Grenzen. Seine körperlicher Hingabe ist für alle sichtbar. Mittlerweile läuft ihm das Wasser in Strömen von der Stirn. Sein Gesicht leuchtet rot, er hechelt. Ich frage mich, ob wir uns nicht eher um Martin sorgen sollten als um unsere Gehörgänge. Aber er hält durch. Wie ein Marathonläufer holt er alles aus sich heraus. Das gehört zu seiner Show. Darin ist er gut.

 

Das gewaltige Spektakel lässt keine Pause zum Verschnaufen. Immer weiter donnern die urgewaltigen Schläge in unseren Ohren. Doch plötzlich hören wir etwas, das wir nicht erwartet hätten. Ein unsichtbarer Chor erhebt seine flehenden Stimmen. Sanft und zerbrechlich schweben sie durch den Saal. Verzweifelt singen sie gegen die übermächtigen Trommeln an. Aber die kennen kein Mitleid. Mit ihrem Dröhnen weisen sie den Chor in seine Grenzen. Wir leiden mit diesen unglücklichen Stimmen, sind doch auch wir Gefangene dieses unerbittlichen Ensembles. Erbarmen! Wir ergeben uns! Doch Grubinger setzt noch einen drauf. Mit aller Wucht schlägt er auf seine Basstrommel. Vorbei? Nein, weiter rumort der Saal. Die Gruppe hämmert monoton auf ihre Geräte. Unser Peiniger atmet schwer.

 

Ich hatte schon die Hoffnung verloren, die Truppe würde uns je wieder frei lassen, als sie mit einem Lächeln auf den Lippen ihre Stöcke sinken ließen. Sie kamen auf der Bühne zusammen und verbeugten sich wie feine Herren (und feine Damen). Dass sie uns gerade zu willfährigen Opfern einer exzessiven Trommelorgie gemacht hatten, war ihnen offensichtlich egal. Erleichtert und tief beeindruckt verließen wir den Saal. Nun stehe ich vor dem Staatenhaus und atme kühle Abendluft ein. Gleich wird uns das Ensemble um Martin Grubinger Xenakis‘ tragische „Kassandra“ und die wunderschöne „Persephassa“ vorstellen. Ich weiß, dass diese Stücke auf eine andere Art zu fesseln wissen, als „Okho“ und „Tutuguri“. Darum wage ich mich auf ein Neues in den Raum, in dem gerade ein Verbrechen stattfand.

Felicitas Förster

 

Die letzte Brücke

16. Mai 2011   |   Kommentare geschlossen

Danke für eine überladene und anstrengende, aber vorallem für eine unglaublich reiche und inspirierende Woche!

Andrang zum Abschluss

16. Mai 2011   |   Kommentare geschlossen

http://www.youtube.com/watch?v=ScLS93ayjFM

Auf dem Weg zum Abschlusskonzert von „ACHT BRÜCKEN. MUSIK FÜR KÖLN“ in der Philharmonie. Gespielt wurden noch einmal zwei Werke von Pierre Boulez: Eine von Johannes Schöllhorn angefertigte Ensemblefassung der „Notations“ und „Pli selon pli“ – ein Hauptwerk der Musik der fünfziger Jahre.

Intendant stehen die Haare zu Berge…

15. Mai 2011   |   Kommentare geschlossen

… dank der bezaubernden Maskenbildnerin von der Oper am Rhein ist die Angelegenheit bald geglättet.

… das künstlerische Betriebsbüro der Acht Brücken ist in eine verwickelte Angelegenheit verstrickt.

… aus der es noch strahlender als zuvor hervorgeht.

… weil das Abschlusskonzert eine Sixties-Party werden soll.

… lernt die Schreibschule nach dem Hochstapeln das Hochstecken.